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von Christian Fink

Ützel-Prützel

Heilt ihre Arthrose!

 

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Eigentlich ist das Problem der Arthrose doch nicht so groß wie wir Chirurgen das sehen. Schlagen sie den Gesundheitsteil einer beliebigen Zeitung auf und da haben wir‘s: „­Ützel-Prützel“ – 2 x täglich … und aus einem abgenützten und schmerzhaften Knie wird wie durch ein Wunder ein jugendliches und schmerzfreies!

Leider muss ich sie enttäuschen. Trotz vieler Millionen Euro, die seit den 90er Jahren in die Knorpelforschung flossen, ist der endgültige Durchbruch noch nicht gelungen. Sehr wohl gibt es aber Fortschritte in der medikamentösen und auch der operativen Therapie der Arthrose.
Der gesunde Knorpel überzieht die Enden unserer Knochen im Bereich der Gelenke. Er besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser, das in einem komplexen Stützgerüst gebunden ist. Das Stützgerüst sorgt für Zugfestigkeit und Steifigkeit, der Wasseranteil für Druckfestigkeit. Im Kniegelenk ist der Knorpel bis zu 5 mm dick. Der gesunde Knorpel ist ein idealer Stoßdämpfer und besitzt außerdem eine Gleitfähigkeit die etwa 10x besser ist, als die von Eis auf Eis.

Gelenksknorpel besitzt weder Nervenfasern noch Blutgefäße, daher ­heilen Verletzungen nur schlecht und Symptome werden häufig erst sehr spät wahrgenommen.

Knorpelschäden können durch ein Unfallereignis oder durch ­Verschleißerscheinungen hervorgerufen werden. Während bei akuten Verletzungen zumeist begrenzte Defekte entstehen, sind durch allgemeine Abnützung oft größere Gelenksbereiche oder gar das gesamte Gelenk betroffen. Man spricht dann auch von „Gelenksarthrose“.

 

Behandlung

Modifikation der Belastung:

(gelenksschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen), Kräftigung der Muskulatur und physiotherapeutische Maßnahmen können eine deutliche Besserung bringen. Es gilt, die Gelenke zu belasten, um die Beweglichkeit zu erhalten und die Ernährung des Knorpels zu fördern, sie aber nicht zu überlasten.

Ein wichtiger Therapieansatz ist die Zufuhr der fehlenden Gelenk­nährstoffe, allen voran Glucosamin, Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure.

Glucosamin:

ist für den Erhalt aller „Gleit- und Dämpfungsschichten“ notwendig. Diese Substanz ist am Aufbau und an der ­Reparatur der Gelenkknorpel beteiligt.

Chondroitin:

sorgt für die Stoßdämpfung und reibungslose Bewegung des Gelenks. Durch seine hohe Wasserbindungsfähigkeit schützt es den Knorpel vor dem Austrocknen

Hyaluronsäure:

ist einer der wichtigsten Bestandteile der Gelenkflüssigkeit. Sie verringert die Reibung zwischen den Knorpeln und die Druckbelastung bei Bewegungen

.

Während die ersten beiden Substanzen in Kapselform eingenommen werden, wird die Hyaluronsäure meist injiziert. Die optimale Wirkung ist nach sechs bis acht Wochen regelmäßiger Anwendung deutlich bemerkbar. In einer eigenen Anwendungsstudie dieser Präparate (Glucosamin -1500mg, Chondroitin-800mg pro Tag) in Kombination mit physikalischer Therapie gaben 71% von 130 Patienten eine deutliche Schmerzreduktion an. Durch die Einnahme von Knorpelschutzstoffen kann das Fortschreiten einer Arthrose verlangsamt und die Beweglichkeit verbessert werden - geheilt wird die Arthrose leider nicht.

Das Problem mit den vielen in der Boulevardpresse beworbenen Mitteln ist, dass die Konzentration der wirksamen Substanzen sehr niedrig ist und stattdessen die Präparate mit einer Vielzahl „gutklingender“ aber in ihrer Wirkung völlig unbewiesener Substanzen „gestreckt“ werden.

Nur wenn eine umfassende konservative Therapie keinen Erfolg bringt, sollte man an ein operatives Vorgehen denken. Dabei  ist eine exakte Diagnostik mit MRT und Röntgen für die Planung ebenso unerlässlich, wie eine individuelle Analyse der Bedürfnisse des Patienten. Die operativen Möglichkeiten reichen dann von arthroskopischen, knorpelchirurgischen Maßnahmen, über Korrekturen der Beinachsen bis hin zum teilweisen oder vollständigen Gelenksersatz.

 

1 Copyright Dr. Andreas Ratz, seines Zeichens Pharmazeut und Apothekenbesitzer, für „Medikamente unklarer Herkunft und unklarem Wirkmechanismus“
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