von Christian Hoser

Kleine Scheibe – große Schmerzen

Warum die Kniescheibe oft Probleme macht

 

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Meniskus, Bänder, Knochen und Knorpel - im Knie gibt es viele Strukturen, die Schmerzen verursachen können. Wir Kniechirurgen wissen, dass die Kniescheibe häufig im Zentrum des Problems steht.

Anatomie

Die Kniescheibe ist ein untypischer Knochen. Sie ist eingelagert in die stärkste Muskel-Sehneneinheit des Körpers, bestehend aus Oberschenkelstreckmuskel (Quadriceps), Quadricepssehne, Kniescheibe und Kniescheibensehne mit ihrem Ansatz am Unterschenkel. Durch diese Konstruktion entfaltet der Muskel um 30% mehr Drehmoment am Knie, weil der Hebel vergrößert wird. Diese hohen Kräfte benötigen Stabilisationsmechanismen. Funktionieren diese nicht optimal, drohen asymmetrische Belastung und sogar Instabilität, die Kniescheibe schmerzt oder springt heraus.

Die Kniescheibe ist ein Paradebeispiel, wie innere und äußere Faktoren bei Gesundheit und Krankheit zusammenspielen. Wir sind mit unterschiedlichen Bauplänen von der Natur geschaffen, je stabiler die Kniescheibe im Gleitlager liegt, desto widerstandsfähiger ist sie. Bei ungünstigen, instabilen Verhältnissen reicht ein relativ harmloser Unfall, die Kniescheibe springt hinaus (Kniescheibenverrenkung oder -luxation) und Bänder reißen. Dies führt zu immer wiederkehrenden Verrenkungen. In weiterer Folge bedroht Arthrose durch fortschreitende Knorpelschädigung das Gelenk. Kniescheibenarthrose kann aber auch ohne Verrenkungen isoliert auftreten. Schmerzen und Schwellung sind die Folge.



med_hoserkniegelenkSchnitt durch das ­Kniescheibengelenk

 

Behandlung

Kniescheibenschmerzen ohne Instabilität und Arthrose werden am effektivsten durch spezifisches, physiotherapeutisches Muskeltraining behandelt. Sport ist gut! Aber nicht alle Sportarten. Wir empfehlen Radfahren, Schwimmen (kein Brustbeintempo) und aufwärts Wandern. Die Einnahme von Glucosamin/Chondroitinsulfat unterstützt den Heilungsprozess.
Die manifeste Instabilität (mehrfache Verrenkungen) muss operativ behandelt werden. Die Operation behebt die zentrale Ursache der Instabilität, die in einer exakten Untersuchung vom Chirurgen ermittelt wird. Die häufigste Operation betrifft das Kniescheiben­band auf der Innenseite des Knies. Das gerissene Band wird wiederhergestellt  und hält dann die Kniescheibe wieder in ihrem Lager.

Bei Arthrose steht uns Chirurgen der selektive Gelenksflächenersatz zur Verfügung. Der spezialisierte Kniechirurg kann in einem deutlich kleineren Eingriff als eine Knietotalprothese den Schmerz in der Kniescheibe damit beheben. Die kleinere Operation verkürzt den Rehabilitationsverlauf und ermöglicht maximale Beugung und Streckung.

 

Was stabilisiert die Kniescheibe?

 

Muskel: Guter Oberschenkel ist unabdingbar

Gelenksform: Je tiefer die Rinne des Gleitlagers ist, desto stabiler

Bänder: Das wichtigste Band (mediales patello-femorales Band) zieht von der Kniescheibe zum inneren Kniebereich und verhindert ein Hinausspringen nach außen

Kniescheibensehne: Je länger sie ist und je weiter die Zugrichtung nach außen weist, desto instabiler die Kniescheibe