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Bewegung ist Leben

 

Sprunggelenksprothetik – Versteifen muss nicht sein

 

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Während die Hüft- und Kniegelenksendoprothetik Versteifungsoperationen vollständig verdrängt haben, heißt es beim oberen Sprunggelenk immer noch, die Versteifung sei die einzige oder beste Möglichkeit der Beschwerdelinderung. Die Weiterentwicklung der Sprunggelenks-Endoprothetik in den letzten 10 Jahren lässt dies allerdings in einem ganz anderen Licht erscheinen. Der Wunsch des Patienten, seine Mobilität so weit als möglich zu erhalten und insbesondere die deutliche Invalidisierung nach einer Versteifung war Anlass nach neuen Lös­ungsmöglichkeiten zu suchen. Dazu kommt noch die Problematik, dass Nachbargelenke des Sprunggelenkes nach einer Versteifung überbeansprucht werden mit der Gefahr des Übergreifens der Abnützung auf eigentlich unbeschädigte Strukturen.

Während die erste Generation der Sprunggelenksprothesen nur eine sehr begrenzte Haltbarkeit hatten und die zweite Generation aufgrund der Zementierung ebenfalls unbefriedigende Ergebnisse lieferte, hat sich erst seit etwa 1990 mit der dritten Generation der Sprunggelenksendoprothetik ein wesentlicher Fortschritt ergeben. Dies allerdings verbunden mit deutlichem Knochenverlust, was besonders bei all­fälligen Revisionen oder einem Wechsel ein manchmal unlösbares Problem darstellte. Auch war die OP-Technik noch nicht ganz ausgereift und beschränkte sich auf den Ersatz des Gelenkes, andere Probleme wie Bandlockerungen, Fehlstellungen, Sehnenverkürzungen etc. blieben unberücksichtigt. Die Erkenntnis, dass nicht das alleinige Ersetzen des Gelenks, sondern auch die Korrektur relevanter zusätzlicher Probleme des Fußes für eine erfolgreiche Implantation notwendig sind, ist relativ neu. So hat Univ. Doz. Dr. Ernst Orthner als erster in Österreich bereits vor vielen Jahren begonnen, komplizierte Probleme und Fehlstellungen in einer Operation zu korrigieren. Dazu wurden dann nicht nur das Gelenk ersetzt, sondern auch gleichzeitig bestehende Achsen­fehlstellungen, Bandlockerungen, Bandverkürzungen, Sehnenverkürzungen etc. beseitigt. Nun war es möglich, nicht mehr nur die „einfachen“ Fälle zu operieren, sondern praktisch alle. Aufgrund dieser Erfahrung kam auch der Wunsch nach einem verbesserten Implantat auf, das die Nachteile der etablierten Systeme beseitigt.
Im Jahr 2003 begann er deswegen gemeinsam mit Prim. Dr. Robert Siorpaes, St. Johann und Prof. Dr. Michael Fellinger, Graz, die ­Entwicklung eines revolutionären Sprunggelenk Implantates – derTriple A – Sprunggelenksprothese. Nach fünfjähriger Entwicklung wird diese nun seit 2008 erfolgreich eingesetzt. Die Sprunggelenksprothese ist durch mehrere Patente weltweit geschützt und die ­Nominierung zu den 10 wichtigsten Patenten des Jahres 2011 zeigt die Bedeutung dieser Neuentwicklung.
Ein wesentlicher Unterschied ist, dass einerseits die Verankerung des Gleitkerns verändert wurde, sodass nun dessen Führung dort erfolgt, wo am wenigsten Bewegung innerhalb der Prothese stattfindet. Dies hat große Auswirkungen auf die Haltbarkeit, da der die Lockerung fördernde Verschleiß des Gleitkerns dadurch deutlich reduziert werden konnte. Zusätzlich ist die Oberfläche der Prothese mit Titan-Nitrit (TiN) beschichtet, welches keramikähnliche Eigenschaften ­besitzt und ebenfalls den Abrieb minimiert. Ein zweiter Vorteil der neuen Prothese ist, dass die Sprungbeinkomponente nicht mehr ­gesägt sondern in einem Schritt gefräst wird. Dadurch wird die ­Passgenauigkeit ganz wesentlich erhöht unter gleichzeitiger Mini­mierung des Knochenverlustes. Auch für allfällige Revisionseingriffe ist dies ein großer Vorteil, was sogar den Wechsel von einem anderen Prothesentyp auf die Triple A– Prothese ermöglicht.
Die kurz- bis mittelfristigen Ergebnisse der inzwischen mehr als
200 implantierten Prothesen bestätigen diese theoretischen Über­legungen. Das erreichte Bewegungsausmaß ist ausgesprochen erfreulich. So konnte die persönliche Nachuntersuchung der Patienten nach einem Jahr zeigen, dass das erreichte Bewegungsausmaß mit an­nähernd 50° in etwa dem normalen Bewegungsumfang eines Sprunggelenkes entspricht. Trotz der simultanen Korrektur aller Zusatz­pathologien ist die Komplikationsrate sehr niedrig geblieben.

 

Ausblick

 

Aufgrund der Erfahrung nach fast 500 von Doz. Orthner selbst ­implantierten Sprunggelenksendoprothesen (davon 150 Triple A - Prothesen), lässt sich festhalten, dass die Versteifung eines oberen Sprunggelenkes nur mehr in seltenen Ausnahmefällen notwendig ist. Durch die optimierte Operationstechnik und die Möglichkeit, in ­einer Sitzung fast alle Zusatzprobleme des Fußes zu lösen, ergibt sich für den Patienten ein ganz wesentlicher Vorteil. Die Nachbehandlung nach einer derartigen Operation mit Gipsfixation und der Notwendigkeit, davon nur 3 Wochen mit Krücken zu gehen, ist zusätzlich im Vergleich zu einer Versteifungsoperation für den Patienten angenehmer und komfortabler geworden. Nach der Gipsabnahme ist eine intensive Physiotherapie notwendig, wobei relativ bald mit dem ­Gehen längerer Strecken bzw. auch mit dem Radfahren begonnen werden kann. Bis allerdings die Funktion großteils wieder zurück­gekehrt ist, dauert es – ähnlich wie bei einem Kniegelenksersatz – in etwa 6 Monate.

 

 

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Eines lässt sich allerdings auf alle Fälle festhalten –Versteifen muss nicht sein – Bewegung ist Leben – das gilt jetzt auch für das Sprunggelenk.

 

 

Die Erfinder:

fellinger_michael Univ. Prof. Dr. Michael FELLINGER,Graz ; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

orthner_ernst  Univ. Doz. Dr. Ernst ORTHNER , Wels; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

 

prim  Prim. Dr. Robert SIORPAES, St. Johann i.T.; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

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