G’sundheit! Sollst Leben!

 

Most ist mehr als ein Getränk

 

 

Schon die Kelten waren „Mostschädeln“. Sie tranken den Most zur Verdauungsförderung. Später war er als kostengünstiges, für jeden selbst herstellbares Getränk geschätzt. In einer Ortschronik aus der Schwäbischen Alb, Ende des 19. Jahrhunderts  heißt es: Zweites Frühstück Most und Brot, in der Ernte vier Liter Most für männliche Arbeiter, weibliche die Hälfte.

Mosteln

So wird die Gewinnung von Most durch Pressen genannt. Allerdings hat der Ausdruck doppelte Bedeutung. Auch die Liebhaber der Österreichischen Nationalsäure gehen ins Wirtshaus gerne „mosteln“. Most gibt es von mild bis kräftig, von süß bis resch. Gewonnen wird er aus Äpfeln oder Birnen. Für einen guten Most darf natürlich nur hochwertiges Obst verarbeitet werden. Allerdings nicht Essäpfel edler Sorte, sondern Mostobst, das sich durch seine Säure auszeichnet. Bekannt sind mehr als hundert alte Mostobstsorten. Bei den Birnen z. B. Fraunbirn, Wasserbirn, Läuterbirn, Hoanlbirn, bei den Äpfeln Holzäpfel, Sauzwiefläpfel, Griaßäpfel oder Remser. Nach der Pressung reift der Saft zwei bis acht Wochen in Garbehältern.

Gesund und leicht

Most ist mit 4 bis 8 Volumprozent  ein alkoholisches Leichtgewicht. Ein Liter hat nur knapp 100 Kalorien. Most ist reich an Vitamin C, Kalium, Kalzium und Magnesium. Er senkt die Cholesterinwerte, vermindert die Verkalkung der Gefäße und ist verdauungsfördernd.

Mostschädeln

In Niederösterreich heißt ein ganzes Viertel nach seiner Obstproduktion. Allerdings liegt das Mostviertel mit seiner Produktion nur auf Platz 3 in Österreich. Auf Platz zwei liegt die Steiermark. Knapp die Hälfte der Mosternte wird in Oberösterreich eingefahren. Kein Wunder also, dass sogar Franz Stelzhammer die Landessäure in Oberösterreichs Landes­hymne verewigt hat:

 

Dein Hitz is net z’grimmi,
net z’groß is dei Frost,
unser Traubn hoaßt Hopfn,
unsern Wein nennt ma Most.

Und zum Bier und zum Most
schmeckt a kräftige Kost.
Und die wåchst ålle Jahr,
mit der Not håts koa Gfåhr.

 

Das Mosteln ist Generaldirektor Dr. Leo Windtner in die Wiege gelegt worden. Neben dem Fußball und den Florianer Sängerknaben ist er mit großer Leidenschaft Mostbauer.

 

Guter Most ist ein Charakterzug

von Leo Windtner

 

„Recht wäre mir schon der Frieden und Most wär auch nicht schlecht“ – so schreibt mein Großvater Georg Windtner am 10. Mai 1917 auf einer Feldpostkarte von der Südtirol-Front an seinen Bruder Ludwig. Ja, über viele Generationen hinweg liegt die Mosttradition schon auf dem Windtner-Haus oberhalb des Stiftes St. Florian. Es ist eine günstige, rein südseitige Obstlage mit vielen alten Apfel- und Birnensorten.

Als ich die Obst- und Mostwirtschaft vor mehr als 30 Jahren von meinem Vater übernahm, lagerten wir den Most noch im idyllischen G‘wölbkeller des alten Elternhauses. Bis über 60 Eimer (also rund 3500 Liter) warteten da jährlich auf ihren Konsum. Der reine Landlbirn-Most war dabei jedes Jahr der Champion – süßlich, prickelnd und auch den Damen sehr bekömmlich. Als sich meine Frau und ich dann zum Neubau entschlossen haben, war der alte Keller leider nicht mehr zu halten. Aber wir schufen auch im neuen Haus einen super Mostkeller, der zwischen Winter und Sommer nur um zwei Grad in der Temperatur schwankt und das Presshaus passend darüber liegend hat.

Einiges ist aber gleich geblieben: die Mostpresse, die Holzfässer, die ich selbst noch zuschlage wie ich es von Vater und Großvater lernte und die alte Obstvielfalt von unseren „Gstett‘n-Bäumen“. Rund mehr als 100 Stück in Summe, darunter auch viele junge und manche wo ich alte Sorten auf jungen Bäumen weiter veredelt habe.

In wenigen Tagen wird es jetzt wieder losgehen. Zuerst wird der reine Winnawitzbirnen-Most eingemacht, dann der Mischling von Landlbirn und Rosmarieäpfel und der reine Landlbirn, sodann die Speck­birnen und die Pichlbirnen, vielleicht auch reiner Apfelmost von Sorten wie Brünnerling, Wiesling oder Bohnapfel. Für die Verarbeitung gilt oberstes Reinlichkeitsgebot und in Summe sind es letztlich zehn ­Arbeitsgänge, bis das flüssige Obstgold in gesicherter Qualität aus der Pipe rinnt. Guter Most ist ein Charakterzug für unser Haus und dieser wird in vollen Zügen von unseren Freunden und Gästen wie von uns selbst genossen.

G’sundheit! Sollst leben!
Leo Windtner