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von Josef Wiesauer

 

 

Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano

 

 

“Beten sollte man darum, dass in einem
gesunden Körper ein gesunder Geist sei”

 

 

 

So lautet das Original des Spruchs von Juvenal. Unserem aufmerksamen Leser, Herrn Dr. Leonhardsbauer aus Melk, ist die zwar übliche, aber fahrlässige Verkürzung (mens sana in corpore sano) im letzten SPIRIT aufgefallen. Mehr noch als an der inhaltlichen Verkürzung, leide er aber darunter, dass ihr der wunderschöne Hexameter zum Opfer fällt.

Entsetzt davon, wie hirnlos die Gladiatoren ihre athletischen Fähigkeiten vergeudeten, meinte Juvenal, man solle darum beten, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei. In seinen Worten schwingt zynischer Zweifel mit über die Sinnhaftigkeit, sich mit dummen Bitten an die Götter zu wenden. Er hielt Beten offensichtlich für wenig effizient.

Beten ist auch keine Lösung
Wer denkt, beten für die Gesundheit wäre wirkungslos, der irrt! In einer Studie wurden 1.800 Bypass-Patienten in drei Gruppen unterteilt. Gruppe 1 und 2 wurde gesagt, dass gebetet würde, aber nicht, ob für sie. Sie konnten sich der Fürbitten nicht sicher sein. Für Gruppe 1 wurde tatsächlich gebetet, für Gruppe 2 nicht. Für Gruppe 3 wurde gebetet, was sie definitiv wussten. Gruppe 1 und 2 zeigte keinen Unterschied bei den Komplikationen, während die Gruppe 3 eine eindeutig höhere Komplikationsrate aufwies. Offensichtlich waren die Probanden dieser Gruppe der Meinung, dass es um sie schlecht stehen würde, wenn schon für sie gebetet wird.

Die Kürzung auf mens sana in corpore sano, der Verzicht aufs Beten, ist also wahrscheinlich sogar im Sinne Juvenals, wenn man davon ausgeht, dass es keine bessere Strategie gibt, als eigenverantwortlich für gesunden Körper und Geist Sorge zu tragen. Aber in einem haben Sie recht Herr Dr.: „Ewig schade um den schönen Hexameter!“

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