von Gerhard ­Queteschiner

 

Handicap

 

Rasieren mit der anderen Hand, Autofahren, Essen,…kaum eine Alltagstätigkeit lässt sich gewohnt durchführen, ist man „gehandicapt“.

 

Ob Fraktur von Elle und/oder Speiche bzw. Bruch eines Handwurzelknochens,  bei der Nachbehandlung kommt man ohne Gips nur ganz selten aus. Selbst nach operativer Versorgungen der Frakturen muss man mit Ruhigstellung rechnen. Nach Abnahme von Gips oder Schiene ist die Beweglichkeit des Handgelenks dann oft eingeschränkt und schmerzhaft. Sofortiger Beginn von Physiotherapie mit Bewegungs­übungen und manueller Therapie für die Beweglichkeit, Lymphdrainagen gegen die Schwellung und passive Maßnahmen, wie Elektro­therapie und Ultraschall zur Schmerzlinderung, sind der entscheidende Faktor in der Reha. Wichtig ist auch die Aufklärung des Patienten über den möglichen, manchmal langwierigen, Rehaverlauf und die ­typischen Folgen einer langen Ruhigstellung. Nicht selten herrscht beim ­Patienten große Verwunderung dass nach Gipsabnahme nicht alles erledigt und die Hand wie vorher einsatzfähig ist.

Therapie der kleinen Schritte

Bei einer so komplizierten Konstruktion wie unserer Hand zählt in der Therapie der Weg der kleinen Schritte. Stück für Stück muss die Beweglichkeit des Handgelenks verbessert werden. Der behandelnde Therapeut leistet „Kleinstarbeit“ an den kleinen Handwurzelknochen, um diesen in ihrer Beweglichkeit zu helfen und sie in die richtige Position zu bringen.  Der Patient dagegen muss in „Heimarbeit“ sein Bewegungs- und Dehnprogramm durchführen, die Hand im Alltag so gut es geht verwenden und nicht zu sehr schonen. Der Teufel liegt im Detail, denn speziell am Beginn der Reha ist wenig oft schon zu viel, somit muss die Dosierung Alltag- Therapie- Heimprogramm gut gewählt werden.

 

Kräftige Begleitmuskulatur und die daraus folgende Stabilität des Handgelenks sind die nächsten Hürden. ­Speziell im Haushalt  ist ein stabiles und kräftiges Handgelenk notwendig. Aufschrauben von Flaschen, ­heben von Tellern und Töpfen sind Aufgaben, an denen verletzte Handgelenke anfangs oft scheitern. Mit gezielten Stabilisations- und Kräftigungsübungen, sowie der not­wendigen Geduld muss gearbeitet werden. Aus sportlicher Sicht trifft es natürlich „handbezogene“ Sportarten am meisten. Tennisspieler, Golfer und Volleyballer brauchen für ihr sportliches Comeback sicher eine kräftigere Muskulatur und mehr Stabilität im Handgelenk als für Töpfe heben und Auto ­fahren notwendig ist. Es heißt Geduld bewahren und dem Heilungs­verlauf genügend Zeit geben.

 

Beweglichkeit, Kraft und  Stabilität sind die drei entscheidenden ­Faktoren in der Handgelenksrehabilitation. Wegweisend dafür ist die notwendige Geduld, denn schon die alten Chinesen wussten: „Wer die Geduld verliert, ist schon halb verloren.“