von Verena Dollinger

 

Was Abstrich und Gewebeprobe aussagen

 

Oft reichen Anamnese und klinische Untersuchung nicht aus, um eine gesicherte Diagnose  stellen zu können. Dann werden Gewebeproben im Labor im Mikroskop untersucht. Die Gewinnung dieser Proben erfolgt mittels Abstrich, Punktion oder Biopsie. Beim Abstrich werden locker aufsitzende Zellen von der Schleimhaut oder Wunde mittels Spatel oder Wattestäbchen nahezu schmerzfrei abgestrichen. Bei einer Punktion oder Biopsie wird aus dem Gelenk oder Gewebe eine Probe entnommen.

Abstrich

Schluckschmerzen, hochroter Rachen, geschwollene Mandeln, feinfleckiger Ausschlag am ganzen Körper und eine belegte, rote Zunge („Erdbeerzunge“) lassen schnell auf Scharlach schließen. Gerade in der Winterzeit haben die Streptokokken wieder Hochsaison. Allerdings sind die Patienten – meist Kinder - bereits mehrere Tage vor Auftreten der klassischen Krankheitssymptome ansteckend und leiden lediglich unter Halsschmerzen. Durch ein gezieltes entlang streifen an der Rachenhinterwand mit einem sterilen Wattestäbchen, kann eine Kultur angelegt und die A-Streptokokken identifiziert werden. Es gibt auch einen Schnelltest für die Praxis, der allerdings nicht immer zu 100% zuverlässig ist. Abstriche auf Streptokokken werden auch bei Schwangeren durchgeführt, da eine Infektion mit B-Streptokokken zu Blasenentzündung oder Frühgeburt führen kann. Abstriche macht auch der Zahnarzt in Zahnfleischtaschen oder in offenen Wunden, um eine Wundinfektion auszuschließen. Pilzerkrankungen der Haut oder des Nagels ähneln anfangs oft anderen Hauterkrankungen, deshalb ist ein Abstrich oder die Entnahme eines kleinen Stückchen Nagels mit genauer Analyse im Labor sehr aufschlussreich. Beim jährlichen „Vorsorge-Krebs-Abstrich“ beim Frauen arzt nach Papanicolau (kurz: PAP genannt) wird gezielt minimales Gewebematerial vom Gebärmutterhals entnommen und mikroskopisch untersucht. Anhand der Zellveränderungen wird eingeteilt in PAP 0 – V.

Biopsien

Eine tastbare Schwellung, auffällige Blutwerte, ein geschwollener Lymphknoten – meist verbergen sich dahinter gutartige Veränderungen wie z.B. eine Infektion. Solche Symptome können aber auch erste Anzeichen einer Tumorerkrankung sein. Um einen bösartigen Tumor sicher ausschließen zu können, ist es oft sinnvoll, Zellen oder Gewebe aus dem verdächtigen Bereich chirurgisch zu entnehmen. Die Entnahme einer solchen Probe nennt man Biopsie. Die Biopsien werden dann auf der Pathologie untersucht und ausgewertet. Ein Beispiel ist ein entdeckter Knoten in der Brust bei der Mammographie. Bei der Bildgebung kann kein eindeutiger Befund erstellt werden. Mittels Biopsie wird eine kleine Probe vom verdächtigen Knoten entnommen und im Labor auf  Krebs, Zyste oder einen gutartigen Knoten untersucht.

Punktionen

Plötzlich auftretende, unklare Schwellung im Gelenk, bestimmte neurologische Ausfälle (Sehstörung, Taubheitsgefühl, Lähmung) oder großer Bluterguss können die Indikation einer Punktion ergeben. Dabei wird durch die Haut in den Gelenkspalt oder Rückenmarksraum eingedrungen und versucht, Flüssigkeit zu entnehmen. Ein Bluterguss wird schon nach wenigen Stunden fest und erst nach einigen Tagen wieder flüssig, sodass eine Punktion zum falschen Zeitpunkt ohne Probengewinnung verlaufen kann. Durch eine Rückenmarkspunktion kann Gehirnflüssigkeit gewonnen und auf Viren, Bakterien oder bestimmte Entzündungszellen untersucht werden.