Interdisziplinäres Symposium 2013

 

Eine Zusammen­schau des Letztstands von Therapie­möglich­keiten bei Hand­verletzungen einerseits, so­wie einen tiefen Blick in die Winter-Sport-Medizin lieferte das diesjährige interdisziplinäre Symposium des Instituts für Sporttherapie.

 

Typische Sport­-verletzungen der Hand

15% aller Sportverletzungen betreffen die Hände. Die bekannteste Verletzung ist der Skidaumen, am häufigsten verletzen sich Fußballspieler. Im Snowboardsport ist die Kahnbeinfraktur die Nummer eins, beim Klettern die Ringband-Ruptur, bei Volleyball ist die Streckersehne der Finger am öftesten betroffen. Häufig und lästig ist im Radsport die ­Irritation des nervus ulnaris durch den Druck des Lenkers auf das ­Handgelenk.
OA Dr. Martin Leixnering, FA für Unfallchirurgie, Handchirurg,Lorenz Böhler KH der AUVA, Wien

 


 

 

Bedeutung der NachbeHANDlung

Ziel der Therapie ist es, die bestmögliche Funk­tion der Hand wieder zu erlangen und bei ein­geschränkter Funktion Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Die kompetente Therapie ist das Eine, wichtig ist aber, auch die Person dahinter zu sehen. Die Ansprüche, die die Menschen an ihre Hände haben, sind denkbar unterschiedlich.
Marie-Therese Podstatzky-Lichtenstein, Ergotherapeutin, Wels

 


 

 

Endo­pro­thetik an der Hand

1500 Gelenksprothesen wurden weltweit seit 1997 eingebaut. Nur eine Handvoll musste ­revisiert werden, meist aufgrund von Verletzungen. Kontraindiziert sind Prothesen bei ­Menschen, die mit schweren Gewichten oder Presslufthammer arbeiten. Die Sporttauglichkeit ist gut, Liegestütz, Ballsportarten, Schifahren und Handwerken sind mit einer Endoprothetik gut möglich.
Dr. Dietmar Hager, FA für Unfallchirurgie, Handchirurg, Linz

 


 

 

Grundlagen der Handanatomie

Die einzigartige Biomechanik, speziell mit dem Daumen in Opposition, ist genial. Diese Hardware ist seit langem unverändert. Eine immense Entwicklung hat allerdings die Software (Gehirn und Nerven) zur Fernsteuerung der Hand hingelegt. Unterstützt durch spezialisierte Haut (Tastorgan) macht sie die Hand zum Superorgan.
Univ. Prof. Dr. Wilhelm Firbas, em. Vorstand des
Instituts für Anatomie der Universität Wien

 


 

 

Fluglotse – Erfahrungen des Teamarztes der  österreichischen Schisprung­national­mannschaft

Der Aufbau einer Vertrauensbasis zu den Athleten ist das tragende Element einer konstruktiven Z­usammenarbeit zwischen Arzt und Athlet. Im Verletzungsfall kommt das besonders zum Tragen, z.B. um den Spagat zwischen Energetik und Schulmedizin, der den Mediziner auf ganzer Linie fordert, zu schaffen. Die Arbeitsbedingungen sind sehr unterschiedlich. Im Olympischen Dorf in Vancouver 2010 war eine Poliklinik in einem Zelt unter­gebracht, die keinen Wunsch offen ließ. Im Weltcup ist man oftmals auf sich allein gestellt.
Dr. Jürgen Barthofer, FA für Unfallchirurgie, UKH Linz, seit 2008 Teamarzt der nordischen Kombinierer und der Skisprungnationalmannschaft.

 


 

 

Wintersport aus Sicht des Kardiologen

Beim Skifahren befindet sich unser Herz-Kreislaufsystem in einer Ausnahmesituation: Höhe und Kälte wirken sich gravierend aus. Die Sauerstoffsättigung nimmt mit der Höhe ab, weshalb das Herz schlechter mit Sauerstoff versorgt werden kann. Durch große Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen, was die Durchblutung zusätzlich verschlechtert. Die Ursache von 40 % der Todesfälle auf der Skipiste ist der Herzinfarkt. Und Vorsicht, Schneeschaufeln zählt zwar nicht zu den Wintersportarten, verursacht jedoch gehäuft Herzprobleme.
Univ. Prof. Prim. Dr. Bernd Eber, FA für Innere Medizin, Klinikum Wels

 


 

 

Wintersport mit ­Hüft-Endoprothese

In den letzten 10 Jahren ist das Aktivitätsniveau von Patienten mit implantierter Hüftprothese stark gestiegen und auch die Sportarten, die mit einer Hüftprothese erlaubt sind, haben sich vervielfältigt. Neben den Klassikern, wie Wandern, Schwimmen und Radfahren, kommen Wintersportarten als aktiver Wiedereinstieg immer mehr dazu. Skifahren, Langlaufen, Schneeschuhwandern und auch Eislaufen mit Protektoren werden empfohlen, von Snowboarden und Schlittenfahren wird abgeraten.
Allgemein wirken sich Sport und Bewegung positiv auf die Einheilung der Hüftprothese in den Knochen und auf die Knochendichte aus. Dennoch bestehen gewisse Risiken einer Luxation, eines Knochenbruches unterhalb der Prothese oder eines erhöhten Abriebes der Prothesenflächen. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg zu finden. Neben allgemeinen Bedingungen wie Alter, Allgemeinzustand und entsprechender sportlicher Vorerfahrung sind die Stabilität der Prothese, absolute Schmerz- und Beschwerdefreiheit, ein gezieltes Muskelaufbautraining, drei Monate postoperativ und das OK des Operateurs unbedingt notwendig.
Prim. Dr. Reinhold Dallinger, FA für Orthopädie und orthopädische Chirurgie,
Sportarzt, LKH Gmunden

 


 

 

Skifahren mit Knieendoprothese

Nach einer Totalendoprothese kehren 64% und nach einer halbseitigen Prothese 97% wieder zu dem Sport zurück, den sie vor der OP ausgeübt haben. Bei den Schiläufern sind es laut Statistik ca. 50 %. Die Gelenksbelastung ist beim Skifahren auf blauen Pisten nur ca. halb so groß wie beim Stufen hinabsteigen, aber fast genauso groß wenn man auf einer roten Piste fährt. Obwohl sich seit 1999 chirurgisch nichts geändert hat, hat sich die Zahl der Sportarten die nach der OP empfohlen werden, deutlich vergrößert. Insgesamt wird Sport nach einer Knieendoprothese mehr befürwortet. Das basiert auf der Erfahrung mit Patienten, die sich nicht an Sportverbote gehalten haben. Grundsätzlich ist die knöcherne Integration der Prothese durch Sport besser, der Abrieb jedoch bei aktiven Patienten größer, als bei inaktiven.
Dr. Christian Hoser, FA für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Sportsclinic Austria

 


 

 

Der abschließende Roundtable endete nach lebhafter Diskussion mit einem kräftigen Ski Heil!