Mehr in dieser Ausgabe: « Handicap Doktorarbeit »

 

 

von Josef Wiesauer

 

Sport ist der beste Koch

 

Machen Sie sich einen Sport daraus, sich Appetit zu holen!

 

Sissy mag’s theurer – sie mag Pferde. Welcher Franz isst mehr Kaiserschmarren, Beckenbauer oder Klammer? Trinkt Marcel Schiwasser? Schlemmt Benni fettRaich, Liebt Goldi Brassen? Sautiert Jimmi Stein(er)pilze? Kennt Zlatan das Geheimrezept der Schwedenbomben? Ernährt sich Haile von running Sushi? Schleckt Katharina Eis? Sind dem Mario Ha(a)senöhrl, was dem Toni Polsterzipf? Mag Leo Stockfisch? Macht fast food schnell, der Fitnessteller fit? Empfiehlt die Expertin Sarah Wienerschnitzel und ist Sportgummi wirklich besser als Dehnen? Das neue Kochbuch der österreichischen Sporthilfe versucht, Licht ins Dunkel des kulinarischen Verhaltens der Sportszene zu bringen.

Die österreichische  „Esskultur“ ist mehr von Bühne, Musik und Literatur geprägt, als von Sport. Nichts ist in Österreich besser als die Rindsuppe, war Thomas Bernhard überzeugt. Sie schafft es bis ins Glaubensbekenntnis mancher Landsleute: „I glaub an nix, außer dass aus an guadn Fleisch a guade Suppn wird!“, so Herbert Hauser, Urgestein der Strassner Pascher. „Gänse!“, bestellte der legendäre Kammersänger Leo Slezak  in seinem  Stammwirtshaus.  Gustav Mahler war als Vegetarier ein Vorreiter. Adalbert Stifter liebte die Völlerei, wie Helmut Qualtinger: „I bin entweder hungrig, oder mir ist zum Speiben!“.

Diese Geschichten aus dem Esszimmer betrachten nur den Nordpol des Stoffwechsels, sie vernachlässigen den Südpol. Der Blick auf das große Ganze blieb dem Meister selbst vorbehalten. Helmut Qualtinger äußerte angesichts eines nicht enden wollenden Gelages die strategische Sorge: „Ob mir des morgen alles derscheißen?“

Auch Sport und Essen sind im Stoffwechsel komplementär vereint. Beim Sport verbrauchen wir Kalorien, beim Essen führen wir sie dem Körper zu. Über diesen funktionellen Zusammenhang hinaus, kennt aber jeder Sportler das wohlige Gefühl, sich Essen und Trinken mit körperlicher Ertüchtigung verdient zu haben. Auch wenn diese „Sinnstiftung“ einer letzten rationalen Betrachtung vielleicht nicht wirklich standhält, ist Sport der Vater des besten Hungers der Welt. Und  Hunger ist der beste Koch.

P.S.: Ob Österreichs Spitzensportler kochen können, sowie den gesamten Beitrag „Gaumensport“ von Josef Wiesauer, lesen Sie in: Spitzenköche und Haubensportler (Verlag styria multi media men)

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