Läuferknie
Wer die ersten Warnsignale ignoriert verlängert die Zwangspause.

Text: Peter Gföller

Läuferknie

Wird das Tractus­syndrom im Frühstadium erkannt, kann die Entzündung durch richtiges Verhalten rasch bekämpft werden, ohne gänzlich auf das Laufen verzichten zu müssen.

Folgendes Problem kennen wohl viele ambitionierte Läufer: Bei und nach einer Belastung treten im äußeren Kniebereich leichte Schmerzen auf, die nach dem Training wieder verschwinden. Was dazu führt, dass man sie nicht ernst genug nimmt. Werden die Schmerzen jedoch ignoriert und die Belastung wie gewohnt fortgesetzt, nimmt die Überreizung ihren Lauf. Schmerzen während der Belastung, die typischerweise etwa 20-30 Minuten nach Laufbeginn auftreten, kennzeichnen das nächste Stadium. Die stechenden Schmerzen an der Außenseite des Kniegelenkes verstärken sich, bis kein Laufschritt mehr möglich und selbst das entspannte Gehen deutlich eingeschränkt ist. Die Medizin spricht dann vom iliotibalen Bandsyndrom (ITBS) oder Tractussyndrom, umgangssprachlich „Läuferknie“ genannt.

Woher kommt der Schmerz?

Auch wenn es zahlreiche Faktoren gibt, die das Auftreten des „Läuferknies“ begünstigen, ist immer eine Fehl- oder Überbeanspruchung des Bewegungsapparates die Ursache. Nach der Winterpause, kurz vor den ersten Wettbewerben, starten zahlreiche Läufer viel zu euphorisch in die neue Laufsaison. Doch das Ziel, sich in kürzester Zeit in Top-Form zu bringen, hat eben leider oft seinen Preis.

Neben der Überbelastung können aber auch eine Fehlstellung der Beinachse (O-Beine) oder eine Schwäche der stabilisierenden Becken- und Rumpfmuskulatur das ITBS verursachen. Ein zusätzlicher Faktor bei der Entstehung des Läuferknies kann der Laufuntergrund sein: Wer viel entlang von Forstwegen und Straßen läuft bewegt sich oft auf einer „schiefen Ebene“, da diese oft zum Straßenrand hin geneigt sind. Dadurch werden die Beine ungleich belastet und die Stabilisatoren können überfordert werden.

Ursächlich für das Tractussyndrom ist eine Überreizung und folglich eine Entzündung zwischen dem Tractus iliotibialis, einer breiten Sehnenplatte, die vom Beckenkamm zum Schienbeinkopf verläuft, einerseits, und dem gelenksnahen Oberschenkel andererseits. Normalerweise gleitet der Oberschenkel ohne Probleme bei jedem Laufschritt unter der Sehnenplatte hindurch, kommt es aber zu vermehrter Reibung in diesem Bereich wird das Gewebe gereizt und Schmerzen entstehen.

Was hilft?

Bei auftretenden Schmerzen ist es unerlässlich, möglichst rasch die Ursachen abzuklären, denn eine Meniskusverletzung oder Knorpelabnützung kann ein ähnliches Beschwerdebild verursachen. Der darauf spezialisierte Arzt diagnostiziert das Läuferknie oft schon ohne Einsatz bildgebender Verfahren. Ist der Fall nicht eindeutig, schafft eine Magnetresonanztomographie endgültig Klarheit.

Wird das Tractussyndrom im Frühstadium erkannt, kann die Entzündung durch richtiges Verhalten rasch bekämpft werden, ohne gänzlich auf das Laufen verzichten zu müssen. In jedem Fall aber gilt es, Trainingspensum und -intensität zu reduzieren und das betroffene Knie nach der Belastung rasch zu kühlen (Eiswürfelmassage). Parallel dazu sollte die Oberschenkelaußenseite mehrmals täglich gedehnt und die Hüft- und Rumpfmuskulatur durch gezielte Übungen gekräftigt werden.

Wenn die Schmerzen bereits während des Laufens auftreten, ist eine konsequente Therapie unumgänglich. Besonders wichtig sind dabei die gezielte Behebung der Muskeldefizite im Hüftbereich und die Forcierung des Beinachsentrainings. Begleitend ist die Dehnung des überspannten Tractus hilfreich. Auf keinen Fall sollte in den Schmerz hineingelaufen werden. Es gilt, eine Laufpause einzulegen, die aber keinen generellen Trainingsverzicht bedeutet. Vielmehr sollten alternative Sportarten ausgeübt werden, um die Grundlagen-Ausdauer aufrecht zu erhalten. Besonders gut eignen sich Schwimmen oder auch Radfahren. Beim Radfahren sollte jedoch auf die richtige Pedalstellung ge­achtet werden, um eine erneute Überspannung der Oberschenkelaußenseite durch zu starke Innenneigung zu vermeiden. Gegen starke Schmerzen helfen eine kurzfristige Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten und eine regelmäßige Kühlung des betroffenen Knie­bereiches.

Sportrückkehr

Die Rehabilitationszeit des Läuferknies beträgt je nach Schweregrad der Entzündung drei bis acht, manchmal auch 12 Wochen. Wichtig ist, dass die Rückkehr zum Laufsport in Form eines langsamen und sanften Aufbautrainings erfolgt und besonderes Augenmerk auf den richtigen Laufstil und das richtige Schuhwerk gelegt wird. Auch sollte die „Hausstrecke“ einer kritischen Prüfung unterzogen und andere Routen als Alternative in Betracht gezogen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.gelenkpunkt.com/Behandlung

Läuferknie

Was ist ein Läuferknie?

Das umgangssprachlich so genannte Läuferknie ist ein Syndrom, das sich durch Schmerzen an der Außenseite des Knies bemerkbar macht und durch die Reibung der Sehnenplatte Tractus iliotibalis an der Gelenksvorwölbung des Oberschenkels entsteht.

Ausschlaggebend für die Entstehung eines Läuferknies ist eine Fehl- oder Überbeanspruchung des Bewegungsapparates. Hinzu kommen zahlreiche Faktoren, die das Auftreten begünstigen, etwa falscher Laufstil, Übergewicht, falsches Schuhwerk oder nicht passende Einlagesohlen. Auch anatomische Faktoren wie Fehlstellung der Beinachse (O-Beine), Schwäche der Beckenstabilisatoren, unterschiedliche Beinlänge oder verkürzte Muskulatur der Oberschenkelaußenseite können sich negativ auswirken.